Dienstag, 8. Dezember 2015

Weihnachtszeit

Letztes Wochenende waren Leah und ich mit Natalia und ihrem Mann (er ist auch Lehrer am Colegio und leitet jedes Jahr die Theateraufführung der achten und elften Klasse) im Theater.
Natalias Mann ist der Leiter der Theatergruppe, die das Theaterstück „Lirios Marchitos“ (verwelkte Lilien) aufführten. Da die Gruppe kein eigenes Theater hat, lieh eine Schule ihnen ihre Räumlichkeiten. Damit auch die Zuschauer in den hinteren Reihen was sehen konnten, wurden ab der dritten Reihe einfach zwei bis drei der Plastikstühle aufeinander gestapelt. Auch das Bühnenbild und die Verkleidung/Schminke der Darsteller war nicht professionell, aber man hat gemerkt, dass sie richtig viel Spaß dran haben und deswegen ist es nicht negativ aufgefallen, dass alles eher einfach gehalten war.

Schauspieler der Theatergruppe


Bevor wir zu der Aufführung gingen, trafen wir uns mit Natalia im Parque des Stadtteils und wie inzwischen alle Parks, Straßen und Häuser, war auch dieser schon mit einem Meer aus bunten, blinkenden „Weihnachts-„ Lichtern überflutet. Es ist wirklich schwer sich diese Weihnachtsdekoration in Deutschland vorzustellen, da zum Beispiel einige auch Diskokugeln aufhängen, die dann die ganze Nacht bunte Lichter in die Umgebung reflektieren.
Maru hat mir erklärt, dass Weihnachten gerade für die ärmeren Menschen besonders wichtig ist und sie die Weihnachtszeit mehr genießen, da sie oft noch enger mit ihrer Familie verbunden sind als die oberen Schichten und diese über Weihnachten auch oft in Urlaub fahren (wie in die USA).
bei Nacht...


... und bei strahlendem Sonnenschein; bei über 25°C in der Sonne

 

Abends ist meistens viel los in den Parks. Die Menschen reden, lachen, essen, trinken und die Stimmung ist gut:

 
Leah und ich haben in den letzten beiden Wochen verschiedene Weihnachtsplätzchen gebacken und alle, die sie probiert haben, waren ganz begeistert davon, was wahrscheinlich auch daran lag, dass hier keine Plätzchen gebacken werden.

Da wir keine Waage hatten, mussten wir ein bisschen improvisieren,
indem wir das Gewicht verglichen...

... auch die Nüssen konnten wir weder gemahlen kaufen, noch gab es eine Mühle,
also mussten wir sie zerstampfen...

... zuletzt besitzt meine Gastfamilie weder ein Backblech noch Backpapier,
deswegen wurden die Plätzchen auf Alufolie gebacken

Lebkuchen, die ebenfalls super ankamen!
Manchmal ist es ganz praktisch, dass die Menschen hier nicht wissen,
wie beispielsweise Lebkuchen in Deutschland eigentlich aussehen...


Diese vier Päckchen schenkten wir unseren vier Kollegin in der Arbeit.


Dafür werden in der Weihnachtszeit hier ständig buñuelos y natilla gegessen. Buñuelos werden auch das restliche Jahr über zum Frühstück gegessen. Sie bestehen aus einem Teig aus Maismehl, Milch, Käse, Eier, Öl und Zucker und werden nacher (wie fast alles hier) frittiert.

Buñuelos, wie es sie auch oft zum Frühstück gibt


Natilla gibt es dagegen, glaube ich, nur in der Weihnachtszeit. Es besteht hauptsächlich aus Milch, Maisstärke, Zucker, Zimt und Kokosraspeln und hat eine ähnliche Konsistenz wie Panna Cotta, doch Natilla wir mit der Hand gegessen (wie auch viele andere Sachen).
So wird die "Weihnachtsspezialität" serviert ...
Buñuelos hab ich eigentlich von Anfang an gerne gemocht, an natilla muss ich mich erst noch gewöhnen, da es nicht besonders viel Geschmack hat und die Konsistenz dazu auch noch bisschen komisch ist.

Mir fehlt ein bisschen die Adventszeit, die hier leider überhaupt nicht gefeiert wird. Es gibt weder einen Adventskranz, noch einen Adventskalender, noch kommt der Nikolaus hierher.
Dafür gibt es in der Nacht auf den ersten Dezember Feuerwerk, ähnlich wie an Silvester bei uns, und auch sonst gibt es öfter mal Feuerwerke von einzelnen Personen im Dezember, da nicht nur bald Weihnachten ist und das Jahr zu Ende geht, sondern auch noch das Schuljahr beendet wurde und nun alle Kinder, Schüler und Studenten zwei Monate Ferien haben.
 
Dieses Jahr gab es vom 1.-8. Dezember im Rahmen des Festival de las Luces de Medellín (Festival der Lichter von Medellín) jeden Abend ein Event.
Am Donnerstag war ich beispielsweise mit Kilian in einem Parque, wo zunächst ein Kinderchor Weihnachtslieder gesungen hat und danach auf einer Leinwand ein Charles Chaplin Film gezeigt wurde.

 
Auch wenn es zwischendurch immer wieder kurz geregnet hat, war es ein schöner Abend! Und es gab kostenloses Popcorn zum Open-Air-Kino! ;)
 
Heute, am 7.12., werden ab Einbruch der Dunkelheit im ganzen Land abertausende Kerzen angezündet. Kerzen und Laternen werden auf den Gehsteigen, in Hauseingängen, Fensterbrettern und auf Balkonen aufgestellt und kennzeichnen damit jedes Jahr den offiziellen Beginn der Weihnachtszeit. In dieser Nacht wird von den Menschen die Noche de las velitas (die Nacht der Kerzen) zu Ehren der Jungfrau Maria und ihrer unbefleckten Empfängnis, deren Gedenktag der 8. Dezember ist, gefeiert.
Es ist ein Familienfest, bei dem die ganze Familie zusammenkommt, gemeinsam isst und die Lichter angezündet werden. Erst in den frühen Morgenstunden werden die Lichter wieder ausgemacht und die Menschen fallen müde ins Bett. Doch zum Glück ist der 8.12. ein Feiertag! ;)
Im Moment bin ich mit Leah und Debbie, einer Freundin von Leah, die einen Freiwilligendienst auf einer kolumbianischen Insel in der Karibik macht, in Bogotá. Wir sind gestern Nacht mit dem Nachtbus ungefähr zehn Stunden von Medellín hergefahren und werden insgesamt zwei Wochen durch den Süden von Kolumbien reisen.
Ausblick über einen Teil Bogotás

Unser Hostel, in dem wir uns jetzt schon sehr wohl fühlen.
Von der Reise ist noch nichts geplant, da wir spontan entscheiden wollen, was wir wo machen wollen und wie lange wir an welchen Orten bleiben. Bisher wissen wir nur, dass wir auf jeden Fall in die Wüste Tatacoa, die Stadt San Agustin, die für ihre archäologischen Stätten bekannt ist und in die los Nevados, ein Nationalpark mit Schneegipfeln, Lagunen und Vulkanen, wollen.
Ich freue mich auf unsere weitere Reise und hoffe es geht euch allen gut!
Eure Cosi
 
 

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